Schöpferkraft ahoi!

 

Darf ich alles leben, was in mir ist, was sich im Fluß der schöpferischen Kräfte gebären möchte?
Oder bleibt mein Kind (oder auch Kreationen und Projekte) doch unterwegs stecken, weil ich nicht ganz vertraue ins Leben? In mich? Weil ich Angst vor meiner eigenen Kraft habe?
Ich habe vor 4 Jahren, 3 Monat und 6 Tagen meinen Sohn geboren. Na fast. Per Kaiserschnitt wurde er nach über 30h Geburtsvorgang geholt.
Meine Schwangerschaft kam ungeplant und gefühlt zu früh. Wie auch der Blasensprung 3 Wochen vor Geburtstermin.
Als der Schwangerschaftstest damals 2 Striche zeigte, klopfte mein Herz bis zum Hals. Mein Leben sollte sich unaufhaltsam ändern….Ausgang unbestimmt, mindestens zwei völlig unbekannte Variablen….
Vor der Geburt hatte ich dann plötzlich große Angst…. Erst verstand ich gar nicht, warum solch ein eigentlich natürliches Ereignis mir sowie vielen erstgebärenden Frauen (und auch Männern) großen Schrecken bereitet? Meine eigene Geburt war einfach, nichts schlimmes von anderen gehört….
Nun ja, heute kann ich sagen, der klassische Weg der Krankenhausgeburt ist ja wirklich fern ab von jeglicher Natürlichkeit – unter welchen Bedingungen wir heute gebären, ist zum Teil so absurd und in der Regel auf Angst programmiert….trotzdem war damals das Krankenhaus (intuitiv) meine Wahl.
Mit Hypnobirthing (ein Entspannt & Schmerzfrei gebären- Suggestiv Programm) bereitete ich mich vor um meinem fehlenden Vertrauen in mir und dem Leben sowie meinem Mangel an Geschehen lassen können zu Leibe zu rücken.
Ich tat damals alles mögliche in meiner Macht Stehende, um das zu verhindern, was ich letztendlich doch nicht als Erfahrung vermeiden konnte…..

Die Geburt

Der Blasensprung kam nachts um 1 Uhr, nach einem ganzen Seminarwochenende. Unausgeschlafen, auf dem Klo, als ich das Geschehen registrierte, fingen an meine Knie zuschlottern und ich zitterte am ganzen Leib. Pure Angst und kein Gefühl für meinen Körper mehr…..boah…und das obwohl ich schon so viele Jahre an mir gearbeitet hatte, dachte ich… Doch die Wunde der verletzten Weiblichkeit sass tief … Trauma pur. Männliche und weibliche Kräfte wollten einfach nicht in mir zusammenarbeiten.
Kein Wunder, das 10h später immer noch keine Wehen in Sicht waren.
Mit größeren Projekten in meinem Leben verlief das bis zur Schwangerschaft ähnlich. Meistens war ich im Ausdruck so schnell blockiert, dass Anläufe immer ziemlich schnell im Sand versickerten.
Hier gab es kein Versickern. Als die Wehen nach Fußakkupressur dann doch massiv einsetzten, drehte sich der Kopf meines Sohnes nicht richtig in die Beckenschale und knallte dann mehrere Stunden erfolglos immer wieder an meine Beckenknochen. Da verhalf mir Hypnobirthing leider nicht mehr zum schmerzfreien Erleben. Heute weiß ich, das eine umgedrehte Hochlage, also einen Schritt zurückgehen im Geburtsprozess wahrscheinlich geholfen hätten, um ein richtiges Einrasten des Kopfes möglich zu machen. Stattdessen war Die PDA war damals das letzte Mittel aus der Sicht der Ärzte – Künstliche Entspannung, na super. Nebenbei erwähnt, weiß ich heute wird dabei die energetische Verbindung zum Kind erstmal gekappt- spürt seine Mutter nicht mehr. So kam der Geburtsvorgang nach fast 30h irgendwann ganz zum Erliegen.

Dank Einsatz moderner Medizin und Kaiserschnitt kam Avin letztendlich lebend zur Welt.
Und trotz all dieser widrigen Umstände waren die Stunden nach der Geburt eine der schönsten und intensivsten Zeiten, die ich je bisher erleben durfte. Mein Kind zu riechen und zu sehen, auf dem Arm zu halten, ihm die Brust zu geben und ihn einfach auf mir schlafen zu lassen.

Die Heilung danach

Mittlerweile weiß ich, das ich damals im Trauma feststeckte. In das meiner Ahnen, dem kollektiven, den weiblichen und karmischen Erbe. Ich fühlte mich machtlos, nicht genug Frau, nicht mit genug Kraft, Liebe und Weisheit ausgestattet um so etwas schönes auf die Welt zu bringen.
In den letzten 4 Jahren habe ich in der Aufarbeitung viel gelernt, geheilt und losgelassen – als Frau, als Mutter und als Heilerin. Alles was geschehen und durch Avin in mein Leben gekommen ist, sollte so sein und hat meiner tiefen Heilung gedient, wie nie etwas zuvor. Avin und ich haben unsere eigene Geschichte. Es sollte alles so sein und nicht anders. Ich fühle tiefe Dankbarkeit und Demut für das Leben.
Manchmal habe ich aber immer noch etwas Angst vor der Kraft in mir, die große ungeahnte Formen annehmen kann, wenn ich sie frei lasse. Diese urgewaltige Schöpferkraft, die sich ihren Weg bahnt und dessen Form und Ausgang nicht wirklich in meinen Händen liegt….
Doch dank meines Sohnes und der Erfahrungen der letzten Jahre weiß ich: es entsteht immer etwas wunderschönes, wenn ich mir erlaube meine Kraft und Liebe fließen zu lassen – auch in neue Projekte – und mich als Kanal zu öffnen: Denn die Schöpfung des Lebens ist im Kern immer voller Schönheit und Liebe.
Diese Woche habe ich für mich diesen Kreis geschlossen und nachträglich endlich für mich und Avin ein Geburts- Despacho gemacht. Die Zeit war reif….
Ein Begrüßungs- sowie Übergangsritual hat mir damals für mich und Avin gefehlt, das bewusste liebevolle Aufnehmen und Willkommen heißen hier auf Erden anstatt Krankenhausroutine.
Solche Rituale, die in unserer Kultur eigentlich gänzlich fehlen, sollte man von der psychologischen, kollektiven sowie energetische Wirkung nicht unterschätzen. Sie unterstützen unsere Seele Wurzeln zu schlagen und zu reifen, uns zu erden.
So habe ich im Ritual noch mal alles in meine Kintus (Gebetsblätter) gepustet und so losgelassen, was mich (und somit ja auch die Verbindung zu Avin) in der Schwangerschaft belastet hat. Sowie die Schreckensreste und Schuldgefühle bei der Geburt und den ersten Jahren danach…als ich damit fertig war, habe ich liebevoll Avins Seele eingeladen ganz hier auf Erden anzukommen.
Und ich habe seiner ( und meiner ) Plazenta einen energetischen Platz gegeben. Das war sehr heilsam und berührend- wie eine Art Grundkorrektur hat es sich angefühlt. Anschließend habe ich Segnungen und Gebete ins Despacho gegeben mit Blumen, Schokolade und einem Schneckenhaus, als Symbol für sein inneres Zuhause.
Ich kann spüren, wie diese Arbeit dazu beigetragen hat, das seine Seele nun wieder ein Stück mehr bereit ist hier auf Erden ihren ganzen Platz einzunehmen. (das ist nämlich derzeit nichts so selbstverständliches aus schamanischer Sicht) und sich unsere Herzensverbindung noch mehr vertieft.

 

Frieden

Heute habe ich dann wie der Zufall so will, beim Aufräumen, in Avin´s Beisein ein Ultraschallfoto aus der Schwangerschaft gefunden und ihn endlich seine ganze Geburtsgeschichte erzählen können und wollen. Ohne Leid und schmerzbehaftetes Reden…einfach so – ich konnte seine Freude und seinen Faszination für dieses Wunder fühlen. Ich habe ihm die Narbe gezeigt, als die Stelle, aus der er stattdessen aus meinem Bauch gekommen ist. Und im erzählt, das er danach (fast) gleich auf meinem Bauch gelegen und das erste Mal an meiner Brust getrunken hat.
„Etwa so?“ hat er gefragt und ist auf meinen Bauch gekrabbelt. Ich habe ihn fest umamt und er mich. Unter Tränen der tiefen Berührung sagte ich „JA, und es war einer der schönsten Momente in meinen Leben, als du auf die Welt gekommen bist. Und ich liebe dich so sehr.“
Frieden in uns beiden. Und wieder einer der schönsten Momente in meinen Leben erlebt.